13.09.2020 Tag des offenen Denkmals

Herzlich Willkommen zum digitalen Tag des offenen Denkmals in der Bergringstadt Teterow!

Erinnern

In einer sich immer schneller ändernden Zeit haben es Objekte, die von Natur aus wenig anpassungsfähig sind, schwer zu überdauern. Denkmale sind solche Objekte. Sie stammen meist aus einer anderen Zeit und hatten in dieser einen Nutzen, fiel dieser weg, wurden die Gebäude meist abgerissen, da es für sie keine neue Verwendung gab. Für sie eine zeitgemäße Nutzung zu finden und damit ihr Überleben zu sichern, ist eine große Herausforderung. Gesetzliche Regelungen zur Sicherheit und zu energetischen Anforderungen machen Neubauten häufig billiger als Umbauten an vorhandenen Gebäuden.

Der Marktplatz um 1900
Der Marktplatz um 1900
Der Marktplatz 1910-1914
Der Marktplatz 1910-1914

Erinnert sei an den Vorgängerbau unseres Rathauses, über 200 Jahre diente er der Verwaltung der Stadt. Mit neuen gesetzlichen Vorgaben zur Lagerung von Liegenschaftsakten hinsichtlich des Brandschutzes musste die Stadt den Neubau eines Erweiterungsbaues ermöglichen (Ecke Schulstraße / Kirchplatz), da der alte Rathausbau diesen Anforderungen nicht mehr entsprach. Die Arbeit in zwei Gebäuden gestaltete sich nicht als effektiv und dem Repräsentationsbedürfnis der gewachsenen Stadt entsprach das alte Rathaus auch nicht mehr, es musste einem Neubau weichen.

Dia von Gerhard Stuhr 1961
Dia von Gerhard Stuhr 1961

Ähnlich den Verwaltungsbauten ging es auch technischen Bauten. Die Windmühle auf dem Mühlenberg fand ebenso keine Nachnutzung wie die elektrischen Mühlen in der Rostocker Straße oder an der Ecke Bahnhofs-/Malchiner Straße. Durch die Verringerung des Personen- und Güterverkehrs mit der Bahn waren auch hier Bauten ohne Nutzung, Brandstiftung tat dann beim Haltepunkt See und der Güterabfertigung ihr übriges.

Erhalten und Neu denken

Die Erhaltung von historischer Bausubstanz, vor allem wenn es nicht um Wohnhäuser geht, erfordert ein Konzept für eine neue Nutzung und erhebliche Finanzmittel, da Umbauten häufig teurer als Neubauten sind. Hier halfen in der Vergangenheit Städtebaufördermittel oder Sonderprogramme des Landes und des Bundes. Nachfolgend sind einige Beispiele für die Erhaltung von Denkmalen und anderen Gebäuden in Teterow aufgeführt, deren ursprüngliche Nutzung nur wenig mit ihren heutigen Aufgaben zu tun hat.

Bahnhofsviertel

Der Bahnhof um 1900
Der Bahnhof um 1900
Sozialgebäude am Bahnhof 1993
Sozialgebäude am Bahnhof 1993
Postgebäude um 1880
Postgebäude um 1880
 

Ohne Nutzung war nach der Schließung der Bahnhof, eine Unterstellmöglichkeit für Reisende und ein Fahrkartenautomat ersetzten das stattliche Gebäude, Nebenbauten verfielen. Mit dem Erwerb durch die Stadt 2009 begann eine umfassende Modernisierung und Instandsetzung des Bahnhofs, der heute mit einer Galerie, einer Gaststätte, einem Friseursalon und Wohnungen eine neue Nutzung gefunden hat. Der Wasserturm konnte durch einen Anbau für Wohnungen genutzt werden und auch das ehemalige Sozialgebäude erhielt mit seinem Umbau zum Wohngebäude für Intensivpflege eine zeitgemäße Nutzung. Ein neues medizinisches Dienstleistungszentrum auf dem ehemaligen Bahngelände wird dafür sorgen, dass Teterow für die fachärztliche Versorgung weiterhin attraktiv bleibt. Auch die Wohnnutzung eines Stellwerkes wird geprüft. Abgerundet wird das bauliche Ensemble durch die Sanierung der alten Post, die als Wohn- und Dienstleistungsgebäude genutzt wird.

Am Mühlenteich

Teichensemble um 1900
Teichensemble um 1900

Als „gute Stube“ von Teterow kann man das Umfeld des Mühlenteiches bezeichnen. Seit über 300 Jahren prägt die Mühle das Stadtbild, der Einbau zeitgemäßer Technik sorgte auch hier immer weiter für eine Nutzung. Motoren ersetzten das Wasser, aus der Mühle wurde das Mischfutterwerk, mit der politischen Wende kam aber auch hier das Aus. 1991 kaufte die Stadt das Gebäude, ließ es ab 1993 sanieren und zur Gaststätte umbauen. Seit 1995 können Einheimische und Gäste sich kulinarisch verwöhnen lassen und den Blick auf das Teichensemble genießen.

Gebäude des Feuerwehrmuseums 1993
Gebäude des Feuerwehrmuseums 1993

Gleich nebenan schmückt das ehemalige Feuerwehrhaus die Stadt. 1896 wurde es errichtet, den Anforderungen der Zeit mit modernen Fahrzeugen konnte es nicht mehr gerecht werden, 1964 war der Steigerturm einsturzgefährdet und wurde abgetragen. Die Freiwillige Feuerwehr erhielt ein modernes Gebäude an anderem Standort. Das alte Gebäude mit Nebenhaus wurde u. a. als Garage genutzt. Eine grundlegende Sanierung der Gebäude war notwendig, diese erfolgte 1997. Der Steigerturm konnte anhand historischer Fotos originalgetreu wiedererrichtet werden. Eine Nutzung war schon vor Baubeginn vorhanden: das Feuerwehrmuseum. Das ehrenamtliche Engagement von Freiwilliger Feuerwehr und Feuerwehrverein fand somit eine Würdigung und das alte Haus eine sinnvolle Nutzung.

Der Speicher 1993
Der Speicher 1993
Anzeige der Firma Paepcke 1914
Anzeige der Firma Paepcke 1914
Anzeige der Firma Paepcke 1914
Anzeige der Firma Paepcke 1914
 

In der Nachbarschaft der Mühle befindet sich auch das alte Speichergebäude der Familie Paepcke in der Predigerstraße. Das Geschäft war am Kirchplatz 8, es wurde mit Korn, Sämereien, Futter, Dünger und Kohlen gehandelt, ein Speicher war da schon notwendig. Nach langem Leerstand begann 2010 der Umbau, der bis 2011 dauerte. Dann konnten die altersgerechten Wohnungen bezogen werden. Einziger Wermutstropfen ist das Verschwinden der Umlenkrolle von der Fassade, die viele Teterower liebgewonnen hatten.

Neukalener Straße 22

Neukalener Strasse 22 1992
Neukalener Strasse 22 1992

1974 begannen die Planungen für die Errichtung eins neuen Wehrkreiskommandos für Teterow. An der Kreuzung Neukalener und Gartenstraße gelegen, fiel es mit seiner Farbgebung in Blau und Weiß auf, die Symbole für die drei Teilstreitkräfte an der Seite des Hauses kannte wohl jedes Kind. Mit dem Wendeherbst 1989 verlor auch dieses Gebäude seine bisherige Nutzung. Für die Stadt die Gelegenheit, wurde doch schon lange nach einem passenden Gebäude für die Stadtbibliothek gesucht, die bisher in der Niels-Stensen-Straße und in der Warener Straße untergebracht war. Gleichzeitig fanden auch das Archiv und einige Vereine entsprechende Unterkunft. Mit der neuen Farbgebung 1999 waren die Umbauarbeiten beendet. Nur wenig erinnert heute noch an die frühere Nutzung.

Stadttore

Werbebild Eigelb-Margarine um 1900
Werbebild Eigelb-Margarine um 1900
Ansichtskarte mit falscher Beschriftung
Ansichtskarte mit falscher Beschriftung

Problematischer ist da schon die Nachnutzung von Stadttoren. Aber auch hier waren die Teterower schon in früheren Zeiten kreativ. 1839 wurde ein Plan zur Nutzung des Malchiner Tores als Gefängnis vorgelegt und mit dem Einbau der Gefängniszellen begonnen. Bei einem Besuch im Stadtmuseum kann man diese Zellen im 1. Stock des Tores besuchen. Und damit ist auch schon die weitere Nutzung angesprochen: als Museum. 1985 zur 750-Jahr-Feier konnten die Teterower eine erste Ausstellung zur Stadtgeschichte besuchen. Das Museum wurde dann 1990 der Öffentlichkeit übergeben.

Das Rostocker Tor hat keine so öffentlichkeitswirksame Nutzung, es beherbergt Wohnplätze für Teterows Vogelwelt. Durch den intensiven Ausbau von Nebengebäuden in der Innenstadt ist ein Unterkommen für Tiere kaum noch möglich, umso wichtiger ist das Torgebäude als Ersatzort.

DRK-Bildungszentrum am Bergring

Foto von Gerhard Stuhr ohne Jahr
Foto von Gerhard Stuhr ohne Jahr

Eine ganze Reihe von Nutzungen hat dieses Gebäude erfahren. Allgemein als Motorsportschule den Teterowern bekannt, wechselte die Nutzung dann an staatliche Stellen der DDR. Unter anderem bildete hier das Ministerium für Staatssicherheit der DDR Kämpfer für den Umkhonto we Sizwe, den militärischen Arm des ANC in Südafrika aus. Von 1990 bis 1996 war hier dann das dringend benötigte Alten- und Pflegeheim untergebracht. Die Nutzung für den Dienst am Nächsten blieb dem Gebäude erhalten, seit 1996 hat hier das Bildungszentrum des DRK in Mecklenburg-Vorpommern seinen Sitz. Nach umfangreichen Umbauarbeiten erfolgte 2012 die Wiedereröffnung.

Niels-Stensen-Straße 2

SED Kreisleitung 1982
SED Kreisleitung 1982

Die größte Wandlung in der Nutzung erlebte sicherlich die frühere SED-Kreisleitung. Im Volksmund auch als „Kreml“ bezeichnet, war sie Kulisse für die alljährlichen Aufmärsche zum 1. Mai. Viele Teterower Jugendliche erhielten hier ihre Jugendweihe. In der Wendezeit erlebte das Gebäude dann ganz andere Demonstrationen mit anderen Forderungen. Einer der ersten Nachnutzer war dann das Arbeitsamt für den Kreis Teterow. Seit fast drei Jahrzehnten ist das Haus aber auch Sitz der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde. Den Teterowern ist es nun eher von Konzerten, Lesungen oder Adventsmärkten bekannt.